Entstehung der Theatergesellschaft Dallenwil

 

Vorallem war es der damalige Jünglingsverein, der entweder im Versammlungslokal der Uerte im Sigristenhaus oder im 1917 neu erbauten Schulhaus spielte. Auf der Suche nach Protokollen oder anderem brauchbarem Material in Sachen Theater des Jünglingsvereins war in den Archiven der Kirchgemeinde fast nichts zu finden. Einzig ein Brief vom 7. Mai 1930, an den Bischofs-Generalvikar in Chur, wo es um die Gründung, beziehungsweise die Statuten des Jünglingsvereins ging, lag vor. Dabei ging es um den Reingewinn der Theateraufführungen. Es muss also damals schon innerhalb des Jünglingsvereins ein Theaterrat bestanden haben, dem 2/3 vom Reingewinn zugestanden wurde. Mit fast 100 % Sicherheit war das der Ursprung der später, 1934, gegründeten Theatergesellschaft.

Am 6. November 1934 entstand dann die erste Theatergesellschaft mit der Absicht, grössere Theater auf die Bretter zu bringen. In der ersten Zeit dieser Gesellschaft wurde kein Theater gespielt, vor allem der zweite Weltkrieg zwang zu längerem Unterbruch. Manchmal versuchte man die Lücken mit Filmvorführungen zu überbrücken.

Ebenfalls im Jahr 1934 wurde der Musikverein Dallenwil gegründet, deren Mitglieder fast alljährlich Konzert mit Theater spielten. Vor allem waren es damals die talentierten Gebrüder Franz, Sales und Karl Niederberger vom Hintergraben (sprich: Grabä-Buebä), die geradezu an Kunst hochstehende kleine Theater auf die Bühne brachten.

Am 14. November 1945 wurde an einer Extra-Generalversammlung beschlossen, mit dem Musikverein gemeinsam in Zukunft grosse Theater zu spielen. Der Musikverein konnte günstig diverse Theaterkulissen und verschiedenes Bühnenmaterial käuflich erwerben. Die Vereinbarung zwischen Musikverein und Theatergesellschaft sieht in den Hauptpunkten wie folgt aus:

1. Der Musikverein stellt für das jeweilige Theater sämtlich notwendigen Kulissen und Bühneneinrichtungen für einen jährlichen Mietbetrag von Fr. 400.— zur Verfügung.
2. Der erzielte Reingewinn aus den Aufführungen wird nach Abzug der Unkosten (Verpflegung nicht inbegriffen) wie folgt verteilt: 1/3 Musikverein, 2/3 Theatergesellschaft. Ein eventueller Rückschlag ist hingegen zur Hälfte zu tragen. Die Einnahmen aus der Hauptprobe fallen der Theatergesellschaft zu.
3. Der Musikverein verpflichtet sich unentgeltlich die Zwischenaktmusik zu leisten.
4. Im Theaterrat müssen 2 Aktivmitglieder vom Musikverein vertreten sein.
5. Benötigt ein gewähltes Stück neue Kulissen, so ist jeweils vor Spielsaison mit dem Musikverein Rücksprache zu nehmen.
6. Diese Vereinbarung kann von beiden Parteien schriftlich per 1. Mai eines Jahres gekündigt werden.
7. Für die Montage und Demontage der Bühneneinrichtungen haben beide Parteien 5 Personen unentgeltlich zu stellen.
8. Diese Vereinbarung wird von der Theatergesellschaft durch Alois Niederberger, Präsident und Josef Niederberger-Meier, Aktuar, für den Musikverein durch Lorenz Odermatt, Bielen und Josef Odermatt, Hächlisberg, unterzeichnet. Auf Grund dieser Situation beschliesst der Musikverein zugunsten der Theatergesellschaft auf ein Konzert im Januar 1946 zu verzichten.

Im Jahre 1945 wurde der Saal zum Hotel-Pension zur Mühle durch den Besitzer Josef Niederberger-Bürgisser zu einem Theatersaal mit grosser Bühne umgebaut, so dass am 13. Januar 1946 die Theatersaison im Mühlesaal eröffnet werden konnte.

Am 31. März 1953 wurde die Ära „Theater in der Mühle“ durch die Saal-Kündigung des Besitzers Josef Niederberger-Bürgisser beendet. Auf Antrag der Theaterkommission wird am 6. August 1955 beschlossen, im Saal des Gasthauses Schlüssel Theater zu spielen und zwar neu im Herbst.

Vorallem Volksstücke wurden in dieser Zeit der Theatervereinigung gespielt, was viele Besucher von Nah und Fern anlockte. Die meisten Aufführungen fanden an Sonntag-Nachmittagen statt. So findet sich im Archiv ein Schreiben der Stansstad-Engelberg-Bahn vom 18. Dezember 1951, worin diese vorschlägt an den Aufführungs-Sonntagen jeweils einen Extrazug für die Heimfahrt der Besucher in Richtung Stansstad zu führen.

An der ausserordentlichen Generalversammlung des Musikvereins vom 8. Juni 1971 wird die Trennung der Theatervereinigung vom Musikverein beschlossen. An der gleichen Versammlung sprechen sich einige Initianten dafür aus, Einladungen zu einer Gründungsversammlung für eine Theatergesellschaft zu erlassen.

Unter dem Vorsitz von Josef Hofmann, Hortensia, wird am 7. Juli 1971 die Theatergesellschaft Dallenwil gegründet. Ab dieser Gründungs-Generalversammlung wird in Dallenwil unter dem Namen „Theatergesellschaft Dallenwil“ gespielt.

Die Theatergesellschaft Dallenwil erweitert in den nächsten Jahren ihr Repetoir mit Lustspielen, Komödien und Dramas.

Mit der Theateraufführung „Fuhrmann Henschel“ im Jahr 1990 wird mit etwas Wehmut Abschied genommen von der sprichwörtlich einmaligen Atmospähre des „Schlüssel-Saales“, die in der Volkstheater-Szene bestimmt einmalig gewesen war. Der neue Spielort wird in Zukunft „Mehrzweckanlage Steini“ heissen, die am 19. Januar 1991 eingeweiht und der Bestimmung übergeben wird. Seit 1955 wurde im Gasthaus Schlüssel abendfüllend Theater gespielt.

Ja, und nun wird in der Mehrzweckanlage Steini Jahr für Jahr im Herbst Theater gespielt.

2012: 40 Jahre Theater Dallenwil - Rückblick von Hanspeter Christen